Integrationspreis der BVV Mitte verliehen

Veröffentlicht am 22.12.2017 in Bezirk

Im Dezember 2017 wurde in der Bezirksverordnetenversammlung Mitte der jährliche Integrationspreis vergeben. Der Integrationspreis ist mit 2000 € dotiert und wird an erfolgreiche Projekte und Initiativen zur Integration von Zuwanderinnen und Zuwanderern vergeben. Hauptkriterium für die Vergabe sind integrationsfördernde Maßnahmen für den Bezirk Mitte mit hoher und nachhaltiger Wirkung. Der Ausschuss für Integration, der zugleich die Jury bildet, hatte in seiner Sitzung am 22. November 2017 über vier eingereichte Vorschläge zu entscheiden. Alle vorgeschlagenen Projekte und Initiativen engagieren sich stark in der Integrationsarbeit, dennoch musste sich der Ausschuss dafür entscheiden, zwei erste Preise a 1000 € zu vergeben.

Frauentreff „Olga"

Die eine Preisträgerin ist der Frauentreff Olga. Träger ist der Notdienst Berlin e.V., der 1984 gegründet wurde und sich an Menschen mit Suchtproblemen wendet. Der Frauentreff Olga ist ein Kontaktladen für drogenabhängige und sich prostituierende Frauen an der Kurfürstenstraße. DieAngebote orientieren sich an den spezifischen Lebensbedingungen der Frauen/Transgender, die geprägt sind von Prostitution, Obdachlosigkeit, Gewalterfahrungen sowie einer schlechten psychischen und physischen Verfassung.

Zielgruppe des Frauentreff Olga sind primär drogenabhängige Frauen, Trans*frauen und Sexarbeiterinnen, zu 80% kommen die Klientinnen aus osteuropäischen Ländern, insbesondere aus Ungarn, Bulgarien und Rumänien. Neben professionellen Beratungen sowie Streetwork mit anschließender (begleiteter) Vermittlung in weiterführende Hilfen versorgt das Olga die Frauen mit Essen, bietet Möglichkeiten zur Körper- bzw. Wäschepflege und verteilt Kondome sowie saubere Spritzen. Eine kostenlose medizinische Versorgung, Rechtsberatung und Polizeisprechstunde für Opfer von Gewalt ergänzen das Angebot.

Zusätzlich bietet Olga immer wieder Kurse für ausstiegswillige Prostituierte an. Da fast die Hälfte der betreuten Frauen aus Osteuropa kommt, helfen die Streetworkprojekte auch mit Angeboten und Hilfen in den verschiedenen Landessprachen der Frauen. Im Zeitraum von Januar bis Oktober 2014 gab es die Möglichkeit, in der Einrichtung ein Projekt mit dem Namen Photovoice durchzuführen.

Der Integrationspreis wurde an dieses Projekt verliehen, weil durch die Arbeit von Olga die Frauen psychosoziale Unterstützung und Hilfestellung erhalten, um sich in die Gesellschaft zu integrieren. Dringende Not wird gelindert und Perspektiven werden aufgezeigt. Das langjährige Projekt zeichnet sich durch Nachhaltigkeit und spezifische Angebote für ausländische Frauen in prekären Situationen aus.

CHAMPIONS ohne GRENZEN Ladies

Der andere Preisträger sind die CHAMPIONS ohne GRENZEN Ladies. Dies ist ein interkulturelles Sport-, Begegnungs- und Vernetzungsprojekt von Frauen für Frauen mit Fluchthintergrund. Das Frauen-Team der CHAMPIONS ohne GRENZEN e.V. besteht seit nun mehr drei Jahren (2014). In erster Linie zielt das Projekt darauf ab, die Zugangsbarrieren zum Sport für geflüchtete Frauen zu verringern, indem es ein wöchentliches, offenes, spaßorientiertes Fußballtraining von Frauen für Frauen mit Fluchterfahrung anbietet.

Das Projekt CHAMPIONS ohne GRENZEN Ladies versucht daher geflüchteten Frauen ab 16 Jahren die Möglichkeit zur Teilnahme am Sporttraining zu erleichtern. Sportbegeisterte Frauen werden an Berliner Sportvereine weiter vermittelt. Es gibt eine Kooperation auf dem Sportplatz des ABC Zentrums Berlin e.V. an der Jannowitzbrücke. Im Rahmen von Vernetzungsarbeit ist das Projekt auch gut mit anderen Sportprojekten und Angeboten für geflüchtete Frauen in Berlin (Mitte) verknüpft.

Der Sport soll die Grundlage für ein ausgelassenes, körperliches Kennenlernen über sprachliche Grenzen hinweg bieten, das dann über den Fußballplatz hinaus neue Netzwerke und Orientierungshilfen bietet. Eine besondere Einrichtung ist die Nachspielzeit: Vermittlung an reguläre Fußballvereine; Unterstützung bei der Wohnungs-, Ausbildungs- und Jobsuche (mit und ohne Ausbildung); Klärung rechtlicher Fragen und Vermittlung an fachspezifische Anwält*innen; Hinweisung auf weitere Freizeitmöglichkeiten in und um Berlin.

Der Integrationspreis wurde an dieses Projekt verliehen, weil hier eine nachhaltige und weit vernetzte Arbeit für eine besonders zu schützende Personengruppe, nämlich junge und erwachsene geflüchtete Frauen, geleistet wird mit einem hohen ehrenamtlichen Engagement. Über die sportlichen Angebote in Verbindung mit der Nachspielzeit können so nachhaltige Integrationsprozesse in der Flüchtlingsarbeit unterstützt werden.

Christian Hanke