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Home > Hintergrundinformationen > Fashion Week in Mitte
 

Fashion Week in Mitte sichern -
Denkmal Bücherverbrennung Bebelplatz schützen

Von Martina Matischok, Bezirksverordnete SPD
17. Juni 2010

Das 1995 auf dem Bebelplatz eingeweihte Denkmal des israelischen Künstlers Micha Ullman erinnert an den 10. Mai 1933. An diesem Tag wurden tausende Bücher verbrannt.

Unter einer in den Boden eingelassenen Glasplatte ist ein weiß getünchter Raum mit leeren Bücherregalen zu sehen, die an den Zustand in der Alten Bibliothek nach der Plünderung erinnern. Vor allem das Thema der Leere, des sichtbar gemachten Nicht-Mehr-Vorhandenseins, ist einer der zentralen Gedanken der jüngeren Gedenkkunst.

Für die Integrität des Denkmals "Bibliothek" von Micha Ullman auf dem Bebelplatz in Berlin-Mitte setzt sich daher die Initiative Bebelplatz ein.
Auf dem Berliner Bebelplatz, dem einstigen Ort der Bücherverbrennung, sollen nach deren Wunsch daher künftig keine kommerziellen Veranstaltungen mehr stattfinden. Aktueller Anlass kommerzielle Veranstaltungen auf diesem Platz zu verhindern, ist die bevorstehende Ausrichtung der Fashion Week. Die Initiative Bebelplatz hatte sich daher hilfesuchend an den Petitionsausschuss des Abgeordnetenhauses gewandt. Unterstützt wurde die Beschwerde durch den Historiker Hans Coppi, dessen Eltern wegen ihres Widerstands gegen das NS-Regime von den Nationalsozialisten ermordet wurden.

Der Petitionsausschuss des Abgeordnetenhauses hatte sich gegen eine kommerzielle Nutzung des Bebelplatzes ausgesprochen. Hierbei handelt es sich allerdings nur um eine Empfehlung, die Entscheidung für Genehmigungen auf diesem Platz liegt beim Bezirksamt Mitte von Berlin.

Die Berlin Partner GmbH unterstützt seit 2007 die Veranstaltungen der Berlin Fashion Week, vor allem durch Werbe- und Kommunikationsmaßnahmen. Auch die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen hat ein Interesse an der Ausrichtung in Berlin.

Im Juli 2007 wurde die erste Veranstaltung der Mercedes Benz Fashion Week am Brandenburger Tor durchgeführt. Im Januar 2008 fand die zweite Ausrichtung dieser Modemesse statt, allerdings am Postbahnhof. Seit Sommer 2008 ist Austragungsort der Mercedes Benz Fashion Week Berlin der Bebelplatz.
Die Resonanz der anliegenden Wirtschaft und Gastronomie am Bebelplatz war sehr gut. Dies führte seinerzeit dazu, dass die IMG Gespräche mit dem Senat und dem Wirtschaftsausschuss der BVV Mitte aufnahm, um den August-Bebel-Platz langfristig zum Veranstaltungsort der Fashion Week zu etablieren.

Die Fashion Week wurde ausschließlich wirtschaftspolitisch bewertet.

Am Rande sei bemerkt, dass auf die Frage, ob die Berliner Fashion Week eine kulturelle oder eine kommerzielle Veranstaltung ist, nicht eingegangen wurde.
Mode ist meines Erachtens Kunst, nämlich Designer- und Schneiderkunst. Damit handelt es sich um eine Handwerkskunst. In wieweit diese Kunst nun einen kommerziellen Rahmen erhält, hängt nicht allein vom Namen des Ausrichters "Mercedes Benz Fashion Week" und der weltweiten Resonanz in der Haute Couture ab.

Berlin hat durch die Veranstaltung deutschlandweit den ersten Platz in der Bedeutung als Modestadt erreichen können. Arbeitsplätze hängen mittel- und unmittelbar mit der Durchführung dieser Veranstaltung zusammen.

Die Fashion Week hat ebenfalls Auswirkungen auf den Tourismus. Es konnte ein großer wirtschaftlicher Effekt allein im Unterbringungs- und Gastronomiegewerbe festgestellt werden. Durch den Tourismus profitieren viele andere Gewerbetreibende. Der Wirtschaftsausschuss der BVV Mitte beschloss daher in der Sitzung am 24.11.2008 auf der Grundlage der Drucksache 0289/III folgendes Ersuchen an das Bezirksamt über die BVV zu richten:

"Das Bezirksamt wird ersucht, wegen der besonderen wirtschaftspolitischen und kulturellen Bedeutung der Mercedes Benz Fashion Week für die Stadt Berlin die Nutzung des August-Bebel-Platzes zu genehmigen."

Weder das Bezirksamt noch die BVV hatten die Nutzung des Platzes durch Veranstaltungen auf die leichte Schulter genommen. Im Vorfeld fand ein Abwägungsprozess statt. Die Entscheidung fiel zu Gunsten der Fashion Week auf diesem historischen Platz nicht nur, aber insbesondere aus wirtschaftspolitischer Sicht.

Die historische Bedeutung des Bebelplatzes wurde dabei aber nicht aus den Augen verloren. Entsprechend wurde auch der uneingeschränkte Zugang zum Denkmal der Bücherverbrennung gefordert. Mitglieder der SPD-Fraktion hatten sich ab Januar 2008 bei jeder Veranstaltung persönlich davon überzeugt, ob der Zugang ermöglicht wird. Von der Staatsoper kommend ist das Denkmal über einen Seiteneingang problemlos zu erreichen. Zu keiner Zeit wurde uns der Zugang verweigert oder erschwert.

Für viele Menschen ist der Ort des Denkmals ein Ort des Wissens, des Erinnerns, des Mahnens, dessen Wirkung aus der Ruhe, aus der Leere entsteht. Durch kommerzielle Veranstaltungen auf dem Bebelplatz fühlen sich Menschen in dieser Ruhe gestört, sie sehen das Denkmal beschädigt. Viele andere Menschen hingegen können nicht nachvollziehen, weshalb aktives Leben und Wirken nicht im Einklang mit Gedenken, mit Erinnerungen sein können.

Fakt ist, dass durch die ständigen Diskussionen und den Medienrummel bezüglich Pro und Contra der Fashion Week auf dem Bebelplatz einerseits das Denkmal selbst, andererseits die Modemesse Schaden nimmt. Beides ist nicht gewollt. Einen Kompromiss zu finden, der die Interessen sowohl der Denkmalschützer als auch der IMG berücksichtigt und beide zufrieden stellt, galt es in der Sitzung des Wirtschaftsausschusses am 31.05.2010 zu finden.

Eine zufriedenstellende Lösung auf Dauer wird es wohl nur mit einem Standortwechsel der Modemesse geben, auch wenn der Veranstalter verständlicherweise lieber auf dem Bebelplatz verbleiben würde. Für die Fashion Week gibt es nach Prüfung etlicher Standorte offenbar zwei Alternativstandtorte zum Bebelplatz. Es handelt sich dabei um den Washingtonplatz vor dem Hauptbahnhof und um die Straße des 17. Juni in Höhe des Sowjetischen Denkmals. Beim letzteren handelt es sich zwar auch um einen Platz zum Gedenken, dessen Wirkung aber nicht aus der Ruhe und Leere entsteht.

Ein Umzug der Fashion Week ab Sommer 2010 ist allerdings nicht möglich. Zwei weitere Veranstaltungen müssen daher noch auf dem Bebelplatz durchgeführt werden. Die Baumaßnahmen am Sowjetischen Ehrenmal dauern bis zu 12 Monate. Die Fertigstellung ist daher erst im Sommer 2011 erreicht. Der Washingtonplatz wird bis August 2011 umgestaltet, wobei dieser wegen der Schieflage für den Laufsteg eher nicht geeignet erscheint. Die Straße des 17. Juni wäre der geeignete Ort, den auch IMG favorisiert. Die Senatsverwaltung möchte allerdings nur eine Sommerveranstaltung dort zugelassen sehen und schlägt eine Inhouse-Veranstaltung für die Winter-Messe vor. Mögliche Räumlichkeiten wurden allerdings nicht vorgeschlagen. Als Begründung wird die Auslastung der Straße des 17. Juni durch eine Vielzahl von Veranstaltungen benannt, so dass zwei Messen an diesem Ort den Rahmen sprengen würden. Für die Wintermonate sind mir allerdings keine großen Beeinträchtigungen dieser Straße durch Veranstaltungen bekannt, so dass die Begründung nicht nachvollziehbar wird.

Kompromisse werden von allen Beteiligten erwartet. Die IMG soll sich auf einen Standortwechsel einlassen, die Initiative Bebelplatz soll zwei weitere Veranstaltungen der Fashion Week auf dem Bebelplatz hinnehmen, der Wirtschaftsausschuss soll seinen Beschluss bezüglich der Nutzung durch die Fashion Week auf dem Bebelplatz aufheben und das Bezirksamt soll sein Genehmigungsverhalten all diesen Wünschen anpassen. Es kann also auch erwartet werden, dass die Senatsverwaltung ebenfalls Kompromissbereitschaft zeigt und eine Sommer- wie auch Winterveranstaltung der Fashion Week auf der Straße des 17. Juni hinnimmt.

Die SPD Fraktion hat gemeinsam mit Bündnis 90 / Die Grünen zur Sicherung der Fashion Week in Berlin-Mitte in Verbindung mit dem Schutz des Denkmals zur Bücherverbrennung einen Antrag in die BVV am 17.06.2010 eingebracht.

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Protokollrecherche Wirtschaftsausschuss zur Fashion Week:
http://www.berlin.de/ba-mitte/bvv-online/bb022.asp
Protokoll vom 24.11.2008 und 31.05.2010

Presseberichterstattung zur Ausschusssitzung:
http://www.tagesspiegel.de/berlin/stadtleben/wohin-mit-der-fashion-week/1849074.html
http://www.neues-deutschland.de/artikel/172149.models-bleiben-am-mahnmal.html

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