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Home > Hintergrundinformationen > Arminius-Markthalle
 

Die Zukunft der Arminus-Markthalle

Von Martina Matischok, Bezirksverordnete SPD, 16. Juli 2010

Die der Berliner Großmarkt GmbH (www.berliner-grossmarkt.de) gehörende Arminius-Markthalle in Moabit wurde am 12. Juli 2010 im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrages an die "Zunft AG" (www.zunftwissen.org) zur Eröffnung einer Zunft(halle) übergeben.

Ein Verkauf der Halle erfolgt damit nicht, vielmehr soll sie im weiteren Besitz der Berliner Großmarkt GmbH (mittelbarer Besitz des Landes Berlin) verbleiben. Der Erbbaurechtsvertrag bildet eine gute Grundlage, um die Nutzungsbindung genau zu fixieren. Im vertraglichen Rahmen ist auch die Vermeidung von großflächigem Einzelhandel eingebunden worden.

Die Einwirkungsmöglichkeiten des Bezirksamts bezüglich der Vertragsgestaltung waren rein rechtlich sehr eingeschränkt. Trotzdem ist aufgrund von Gesprächen ein breites Fundament geschaffen worden, die gemeinsam angestrebte Nutzung dauerhaft umzusetzen. Wohlwollend aber kritisch begleitet wurde die Entwicklung von der BVV Mitte insbesondere durch den Wirtschaftsausschuss.

Der Umbau der 3.500 Quadratmeter großen Fläche soll in den kommenden Monaten starten. Die alten Stände werden abgerissen und im neuen Design wieder aufgebaut. Neben einer Vielzahl von Neumietern aus dem Manufakturwesen werden ein Großteil der heutigen Händler in der Markthalle verbleiben können. Weitere Discounter als die bereits ansässigen Filialen von Norma und Schlecker wird es nicht geben. Die Eröffnung der Zunfthalle ist dann für Ende 2010 geplant.

Der Investitionsbedarf für die erforderlichen Umbaumaßnahmen in der Halle beträgt ca. 1,9 Mio. Euro. Die ca. drei Monate andauernden Umbaumaßnahmen sollen eine optische Transparenz und bessere Wahrnehmung der Angebote ermöglichen, wobei auf Grund des Denkmalschutzes grundlegende Veränderungen an der architektonischen Struktur der Halle nicht erfolgen.

Die Idee, die hinter dem Konzept der Zunft AG steht, ist die Eröffnung der ersten Zunft(halle) in Berlin als wichtiger Meilenstein in der Markttradition in Verbindung mit einer Begegnungsstätte als einem kommunikativen Ort. In der Halle soll neben den typischen Marktständen ein Bereich geschaffen werden, welcher zum Verweilen einlädt. Zu diesem Zweck entstehen auch gastronomische Einrichtungen. Außerdem sollen in der Halle Messen und Veranstaltungen durchgeführt werden. Zum Abend sind gastronomische Veranstaltungen sowie Konzerte, Lesungen und Showküche geplant.

Die Halle ist mittlerweile zur Revitalisierung ab Oktober 2010 fast komplett vermietet. Bei Interesse von konzeptionell passenden Nutzern soll es noch kleine Anpassungsmöglichkeiten geben. Für Manufakturen und Genusshandwerksunternehmen besteht die Möglichkeit, Teil des "Zunftwerk - Manufakturen, Genuss- und Designkaufhauses" zu werden, welches ebenfalls eine Fläche der Halle nutzt.

Ich bin gespannt auf die Wirkung der Zunft(halle) über die Moabiter Grenzen hinaus. Moabit braucht neben niveauvollem und Preis-/Leistungs-gerechtem Einzelhandel dringend auch kulturelle und kulinarische Impulse.

Die Arminiusmarkthalle wäre das erste realisierte Projekt der Zunft AG und damit ein Musterprojekt für Werbung in eigener Sache. Den Investoren sollte daher viel daran gelegen sein, dass das Konzept der Nutzung der Arminiusmarkthalle als Zunft(halle) nicht scheitert und die Halle wieder eine Zukunft hat. Andernfalls dürfte die Zukunft der Zunft AG in Gefahr sein.

Für den Fall des Scheiterns der Zunft AG fällt die Halle an die Berliner Großmarkt GmbH zurück, ein entsprechendes Rückfallrecht wurde vereinbart. Ich hoffe, dass diese Absicherung nicht notwendig wird und es zur erfolgreichen Eröffnung der Arminiusmarkthalle als dauerhafte belebte Zunft(halle) kommt.


Wissenswertes:

Welchen geschichtlichen Hintergrund hat die Arminiusmarkthalle?

Am 01. Dezember 1891 wurde die 10. Berliner Markthalle eröffnet. Nach etwas mehr als einem Jahr Bauzeit wurde die Halle nach den Plänen des Stadtbaurats Blankenstein errichtet. Diese für damalige Verhältnisse kurze Bauzeit, wurde durch moderne Eisen-Konstruktionen mit vorgefertigten Bauelementen ermöglicht. 425 Stände hatten Platz auf 10 Verkaufsgängen, jeder 2,48 m breit, welche rechtwinklig vom 12 m breiten Mittelgang abgingen. Dieser diente damals den Pferdewagen, Handkarren und Hundegespannen als Fahrweg für die Anlieferung der Waren. Im zweiten Weltkrieg wurde die Markthalle schwer beschädigt und in den fünfziger Jahren wieder hergerichtet. 1990 wurde die Außenfassade restauriert und 1996 eine aufwendige Innenrestaurierung unter Berücksichtigung historischer Stilelemente durchgeführt. Heute steht die Arminiusmarkthalle unter Denkmalschutz.

Wer war der Namensgeber?

Benannt ist die Halle nach Hermann dem Cherusker, der die germanischen Truppen anführte und bei der Schlacht im Teutoburger Wald die römischen Truppen vernichtend geschlagen hat. Er diente zunächst den Römern als Offizier und hatte dort den Namen Gaius Iulius Arminius.

Was ist eine Zunft(halle)?

Eine Zunft[halle], als gutes Beispiel für einen Zunft[ort], ist nämlich ein kommunikativer "Dritter Ort". An diesem sogenannten "Dritten Ort" sollen sich regionale Genusshandwerksprodukte, junges Design, kreative Milieus und Dienstleistungen, regionale Manufakturen, Ateliers, regionales Handwerk, kleinflächiger Handel, Events und Gastronomie ergänzen. Sie würde so zu einem Markt, auf dem Erfahrungen, Verfahrenswissen und Produktinformationen ausgetauscht werden. Die Zunft[halle] versteht sich dabei als Impulsgeber für die Zukunft der Arbeit. Sie würde als "guter Dritter Ort", als quasi öffentlicher Platz und auch als temporärer Markt (bspw. regionaler Ökomarkt vor der Halle an Wochenenden) entwickelt werden.

Wer verbirgt sich hinter der Zunft AG?

Die Zunft AG ist eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft, die sich selber auch als Kompetenznetzwerk versteht. Das Unternehmen setzt bei seinen Aktivitäten auf Werte, wirtschaftliche, ökologische und soziale Nachhaltigkeit, auf Qualität und auf die Rückkehr zu fairen Wirtschaftsgrundsätzen.

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